Take-Two Software wegen Tattoos in Basketball-Spiel verklagt – US Gericht wird Fall anhören

Tattoos sind schon lange „salonfähig“, und so tragen auch viele Sportler derartige „Körperkunst“. Dies gilt u.a. auch für die US-Basketballstars LeBron James, Kobe Bryant, Kenyon Martin, DeAndre Jordan und Eric Bledsoe. Deren digitale „Kopien“ erscheinen als Spielfiguren in dem Basketballspiel „NBA 2k16“ der Software-Schmiede Take-Two Software. Angesichts der Leistungsfähigkeit heutiger Spielkonsolen und PCs sind die Spieler dabei derart detailgetreu nachmodelliert, dass auch ihre Tattoos je nach Ansicht der jeweiligen Spielszene gut zu erkennen sind.

Hieran nahm die Firma Solid Oak Sketches Anstoß. Sie behauptet, über die Urheberrechte an acht der gezeigten Tätowierungen zu verfügen und verlangt für die Darstellung in dem Videospiel 1,1 Mio. USD Schadensersatz.

Das mit dem Fall befasste US-Gericht soll nach dem Willen der Parteien zunächst nicht über die urheberrechtliche Schutzfähigkeit der Tattoos entscheiden, sondern darüber, ob deren Verwendung im Spiel nach den „de minimis“-Grundsätzen oder als „fair use“ zulässig ist. „De minimis“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Darstellung der Tattoos innerhalb des Spiels so flüchtig bzw. nebensächlich ist, dass ihr kein rechtsverletzender Charakter zukommt. Ob die Nutzung als „fair use“ zu qualifizieren ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu zählt u.a. der Zweck der Nutzung, insbesondere ob es um eine gewerbliche Nutzung oder bspw. eine Nutzung zu Bildungszwecken handelt. Daneben kommt es auf den Umfang des entnommenen Werkteils und den Effekt der neuen Nutzung auf die Vermarktung des ursprünglichen Werks an. Gerade der letztere Faktor könnte vorliegend maßgeblich sein. Take-Two Software argumentiert, Solid Oaks verfüge gar nicht über die notwendigen Rechte, um die Designs zu vermarkten. Die Nutzung durch Take-Two könne dann aber Solid Oaks gar nicht beeinträchtigen.

Die zuständige Richterin hat nun Solid Oaks „motion to dismiss“ abgewiesen, ein Antrag, mit dem offensichtlich nicht bestehende Ansprüche in einem sehr frühen Verfahrensstadium abgewiesen werden können. Sie ist jedenfalls derzeit der Auffassung, es läge weder offensichtlich eine „de minimis“-Nutzung, noch ein offensichtlicher Fall des „fair use“ vor. Hierzu müsste erst ein Vergleich zwischen den Tattoo-Designs der Klägerin und deren Nutzung innerhalb des Spiels erfolgen.

Der Fall bleibt somit spannend und der Ausgang dürfte jedenfalls für den Fall, dass die Klägerin das Verfahren gewinnt, weitreichende Konsequenzen haben. Denn dann müsste für jedes Foto, jeden Fernsehauftritt, Spielfilm usw., in welchen Prominente mit Tattoos dargestellt werden, eine Genehmigung (und Lizenz) des Rechteinhabers (also des Tattoo-Designers oder – wie hier – seines Rechtsnachfolgers) eingeholt (und bezahlt) werden. Ohne Lizenz könnte dem Rechteinhaber sogar ein Verbotsrecht zustehen und dieser die Nutzung vollständig untersagen.

 

Autor: Rechtsanwalt Mirko Brüß

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