WALDORF FROMMER: Potentielle Sicherheitslücke des Routers lässt für sich genommen keinen Schluss auf Täterschaft eines unbekannten Dritten zu

Amtsgericht München vom 19.09.2014, Az. 111 C 25920/13

Gegenstand des Verfahrens: Illegales Tauschbörsenangebot urheberrechtlich geschützter Filmaufnahmen

Der beklagte Anschlussinhaber hatte in diesem Verfahren vorgetragen, sein Router habe einer Produktwarnung des Herstellers zufolge eine erhebliche Sicherheitslücke enthalten. Diese hätte von außenstehenden Dritten zur Begehung der streitgegenständlichen Rechtsverletzung ausgenutzt werden können. Damit habe die ernsthafte Möglichkeit bestanden, dass ein unbekannter Dritter die streitgegenständliche Verletzung ohne Wissen und Wollen des Anschlussinhabers begangen habe.

Das Amtsgericht München hat hinsichtlich dieses Vortrags und dessen Relevanz ein mündliches Sachverständigengutachten eingeholt. Der Sachverständige kam dabei unter anderem zu dem Schluss, dass selbst bei Vorliegen einer solchen Sicherheitslücke deren Ausnutzung jedenfalls erhebliche Fachkenntnis sowie erheblichen Aufwand erfordere.

Diese Ansicht hat das Amtsgericht München nun seiner Entscheidung zugrunde gelegt und den Beklagten antragsgemäß zur Zahlung des geforderten Schadensersatzes sowie zur Übernahme der Verfahrens- und Rechtsanwaltskosten verurteilt.

Der unberechtigte Zugriff auf den Internetanschluss sei ohne weitere greifbare Anhaltspunkte unwahrscheinlich. Insbesondere sei nicht ersichtlich, dass ein entsprechend technisch versierter Dritter einen derartigen Aufwand betreiben würde, um über einen fremden Internetanschluss an einer Tauschbörse teilzunehmen.

Autorin: Rechtsanwältin Anna Zimmermann

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